PIANOHOF · WISSEN & ORIENTIERUNG
Wie alt ist Ihr Klavier oder Flügel? Der Piano-Atlas verbindet die Datierung nach Seriennummer mit einem Verzeichnis historischer Hersteller und ihrer Firmengeschichte.
Für die Datierung zählt die Fabriknummer des Instruments. Nummern von Mechanik und Klaviatur sowie Jahreszahlen auf Medaillen können etwas anderes bezeichnen.
Beim Klavier lohnt sich zuerst ein Blick unter den oberen Deckel: Die Nummer steht häufig innen an einer Seitenwand oder auf deren Oberkante. Beim Flügel finden Sie sie oft auf der Gussplatte bei den Stimmwirbeln. Die Markierungen zeigen typische Fundorte verschiedener Bauweisen.

Ein J vor der Fabriknummer steht bei Yamaha für Jakarta, H für Hangzhou und YT für Taoyuan. T bezeichnet Thomaston, U South Haven in den USA. Diese Fabriken haben eigene Nummernbereiche. Die Ziffern allein reichen deshalb bei solchen Kennzeichnungen für die Datierung nicht aus.
Bei Kawai kennzeichnet ein A vor der Seriennummer Instrumente aus US-Produktion, ein F solche aus Indonesien.
Die Seriennummer steht meist am Gussrahmen bei den Stimmwirbeln. Bei frühen Bechstein-Flügeln kann sie auf dem Resonanzboden unter dem Firmenlogo stehen. Andere Nummern, etwa weiter hinten auf dem Resonanzboden, können interne Produktionsnummern sein und sind nicht mit der Fabriknummer gleichzusetzen.
Beim Steinway-Klavier kann die Seriennummer oben auf dem Stimmstock über der Gussplatte stehen. Beim Flügel findet sie sich auf der Gussplatte zwischen den Stimmwirbeln, oberhalb der Tastatur.
Wilhelm Schimmel gründete seine Werkstatt 1885 bei Leipzig. 1929 zog die Klavierfertigung nach Braunschweig; die Flügelproduktion blieb zunächst in Leipzig. In Braunschweig entwickelte Arno Schimmel das kompakte Klavier „Mini Royal“, auf das weitere Kleinklavierkonstruktionen der 1930er-Jahre folgten.
August Förster baute ab 1859 in Löbau; 1900 kam ein Zweigwerk in Georgswalde hinzu. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auch in der Tschechoslowakei Instrumente unter diesem Namen gefertigt.
Feurich entstand 1851 in Leipzig. Nach der Enteignung wurde die Fertigung in Langlau in einer Produktionsgemeinschaft mit Euterpe weitergeführt.
Bei historischen Grotrian-Instrumenten kommen Bezeichnungen wie C. F. Th. Steinweg Nachf. und Steinweg Nachf., Grotrian, Braunschweig vor. Der Name Grotrian-Steinweg folgte später. Trotz der ähnlichen Namen handelt es sich nicht um ein Steinway-&-Sons-Instrument; die zugehörigen Nummern dürfen nicht miteinander verwechselt werden.
Schiedmayer & Söhne und J. & P. Schiedmayer waren zwei getrennte Stuttgarter Betriebe. J. & P. wurde später Schiedmayer Pianofortefabrik genannt.
Seiler wurde 1849 in Liegnitz gegründet. Nach dem Krieg begann die Fertigung zunächst in Dänemark neu, ab 1961 in Kitzingen.
Die 1862 gegründete Fabrik hieß zunächst J. A. Pfeiffer. Erst 1912 wurde sie in Carl A. Pfeiffer umbenannt. Beide Namen gehören zur Firmengeschichte desselben Stuttgarter Herstellers; ein alter Schriftzug muss deshalb keine andere Klaviermarke bezeichnen.
PETROF bezeichnet die Kennzeichnung eines Instruments auch als Opusnummer. Unter diesem Begriff bietet der Hersteller Auskünfte zu Klavieren und Flügeln der Marken PETROF, Weinbach, Rösler und Scholze an. Gemeint ist die individuelle Instrumentennummer.
Die zusätzliche vierte Saite im hohen Diskant vieler Blüthner-Flügel gehört zum Aliquot-System. Sie wird nicht vom Hammer angeschlagen, sondern schwingt mit.
Das Alter sagt wenig darüber aus, wie gut ein Klavier heute spielt. Stimmhaltung, Resonanzboden, Stimmstock, Mechanik und bisherige Reparaturen müssen am Instrument beurteilt werden. PIANOHOF bietet dafür eine Klavierbegutachtung in Berlin und Umgebung und berät zur Reparatur und Restaurierung. Auch bei einem älteren Instrument kann eine gezielte Reparatur sinnvoll sein.
Datierte Fabriknummern geben Anhaltspunkte für die Bauzeit. Liegt eine Nummer zwischen bekannten Vergleichsnummern, lässt sich daraus ein ungefähres Jahr oder ein Zeitraum ableiten. Das Gründungsjahr der Firma bezeichnet dagegen nicht das Alter des einzelnen Instruments.
Fabriknummer und Seriennummer meinen hier die Kennzeichnung des Instruments. Zusätzliche Nummern an Mechanik, Klaviatur oder Gehäuseteilen können anderen Zwecken dienen. Buchstaben und führende Nullen können zur Fabriknummer gehören.
Klavier: Unter dem oberen Deckel – innen an den Seitenwänden oder auf deren Oberkanten; auch auf der Gussplatte oder dem Resonanzboden hinter den Saiten.
Flügel: Unter dem Deckel – auf der Gussplatte, etwa bei den Stimmwirbeln oder unter dem Notenpult; auch auf dem Resonanzboden unter den Saiten.
Lesbare Zeichen in ihrer Reihenfolge festhalten und unlesbare Stellen kennzeichnen. Es macht einen Unterschied, ob genau eine Ziffer fehlt oder ein ganzer Anfang beziehungsweise ein Ende nicht mehr zu erkennen ist.
Eine fehlende Ziffer sollte nicht durch eine Vermutung ersetzt werden. Eine teilweise lesbare Nummer kann mehrere mögliche Zeiträume ergeben; dann helfen weitere Merkmale bei der Eingrenzung.
Manchmal helfen der vollständige Markenname, eine Ortsangabe oder ein früherer Firmenname. Gründung, Umzug und Ende der Produktion können die Zuordnung erleichtern. Ein Gründungsjahr ist jedoch nicht das Baujahr des einzelnen Klaviers.
Zusätzliche Hinweise können von der Mechanik oder der Klaviatur stammen. Diese Bauteile haben eigene Hersteller und teilweise eigene Nummernfolgen. Das Datum eines Bauteils ist ein Anhaltspunkt und nicht automatisch das Fertigstellungsjahr des Instruments.
Jahreszahlen bei Medaillen oder Auszeichnungen datieren zunächst die Auszeichnung. Sie sind kein direkter Beleg für das Baujahr des Instruments.
Handschriftliche Einträge können aus der Herstellung stammen, aber auch von einer späteren Stimmung oder Reparatur. Entscheidend ist, was die Beschriftung bezeichnet und wo sie angebracht wurde.
Das Baujahr allein bestimmt weder den Wert noch den Zustand eines Klaviers. Entscheidend sind unter anderem Konstruktion, Erhaltung und bisherige Arbeiten. Auch ein altes Instrument kann sich gut spielen lassen oder sinnvoll repariert werden.
Hält das Klavier die Stimmung nicht mehr oder wurde eine weitere Stimmung abgelehnt, muss es deshalb nicht ersetzt werden. Zuerst sollte die Ursache geprüft werden. Viele Befunde lassen sich vor Ort beurteilen; auch Arbeiten an lockeren Stimmwirbeln sind je nach Befund direkt beim Instrument möglich. PIANOHOF berät zu Reparatur und Restaurierung in Berlin und Umgebung.
Für manche Hersteller sind nur einzelne datierte Nummern bekannt. Außerdem können Nummernvergabe, Fertigstellung und Verkauf zeitlich auseinanderliegen. Ein Zeitraum zeigt diese Unsicherheit, statt ein genaues Jahr vorzutäuschen.
Verschiedene Nummernserien oder wiederholt verwendete Nummern können mehrere mögliche Jahre ergeben. Bei wenigen Vergleichsdaten bleibt die Schätzung gröber. „ca.“ kennzeichnet eine Näherung, keinen belegten Fertigungstermin.