
Eine Klaviertaste soll sich sicher führen lassen, ohne seitlich zu klappern oder beim Niederdrücken zu klemmen. Dafür sitzen in ihren Stiftführungen schmale Streifen aus Garnierungstuch. Diese Tastengarnierungen liegen zwischen dem hölzernen Tastenkörper und den Metallstiften des Klaviaturrahmens. Ihre Passung beeinflusst die Bewegung unmittelbar – auch bei einer äußerlich gepflegten Tastatur wie der abgebildeten mit dem Schriftzug Richard Wagner.
Am Waagebalken liegt die Taste auf und führt ihre Wippbewegung aus. Der dortige Stift hält sie in Position; weiter vorn begrenzt der Vorderstift das seitliche Ausweichen. Die Garnierungen in diesen beiden Bereichen müssen zur jeweiligen Führung passen. Sie sind etwas anderes als die Filzscheiben unter der Taste: Die Scheiben bilden Auflagen, während das Garnierungstuch die seitlichen Kontaktflächen zum Stift auskleidet.
Verschlissenes oder gelöstes Tuch kann dazu führen, dass die Taste beim Spielen seitlich nachgibt. Eine zu enge Garnierung bremst dagegen die Bewegung. Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst viel Material einzusetzen, sondern die passende Verbindung aus Halt und Bewegungsfreiheit herzustellen.
Für eine Neugarnierung gibt es keine Tuchstärke, die unabhängig von der Klaviatur immer richtig wäre. Maßgeblich sind die Abmessungen des Stifts und der freie Raum in der hölzernen Aussparung. Vorderstift- und Waagebalkengarnierungen können innerhalb eines Instruments unterschiedliche Stärken benötigen.
Die Auswahl erfolgt mit einer trockenen Probe: Ein Stück Garnierungstuch wird zusammen mit einer zum Stift passenden Garnierlehre in die vorbereitete Aussparung eingesetzt. Die Lehre soll mit leichtem Widerstand sitzen. Lässt sie sich nur unter starkem Druck bewegen, ist das Tuch zu dick; sitzt sie lose, reicht seine Stärke nicht aus. So wird die Passung vor dem Verleimen geprüft, statt eine ungeeignete Stärke später durch starkes Zusammendrücken auszugleichen.
Voraussetzung ist eine intakte Holzaufnahme. Lose Fasern, alte Rückstände oder beschädigte Seitenflächen verändern den verfügbaren Raum. Nach dem Entfernen der alten Garnierung muss die Aufnahme daher kontrolliert werden. Wurde das alte Tuch mit Feuchtigkeit gelöst, muss das Holz vor dem Einsetzen der neuen Streifen wieder trocknen. Eine Passprobe im noch gequollenen Holz wäre keine verlässliche Grundlage.
Beim Verleimen halten passende Garnierlehren das Tuch in seiner vorgesehenen Form. Sie bleiben während des Trocknens eingesetzt. Auch die Einsetztiefe und ein gleichmäßiger, sparsamer Leimauftrag gehören zur Passung: Überschüssiger Leim soll nicht auf die spätere Kontaktfläche zum Stift gelangen.
Nach dem Trocknen werden die Tasten auf ihren zugehörigen Stiften geprüft und bei Bedarf behutsam gängig gemacht. Dabei gibt es am Waagebalken noch eine zweite mögliche Engstelle: das Loch unten im hölzernen Tastenboden. Es wird getrennt von der darüberliegenden Garnierung geprüft. Wenn dort die Bewegung gebremst wird, behebt ein weiteres Lockern des Tuchs die Ursache nicht.
Diese Arbeiten schaffen die Grundlage für die anschließende Regulierung der Klaviermechanik. Erst mit zuverlässig geführten Tasten lassen sich Tastenlage und Spieltiefe sinnvoll aufeinander abstimmen. Eine neu eingestellte Höhe ersetzt keine verschlissene Garnierung; eine neue Garnierung legt umgekehrt noch nicht die Spieltiefe fest.