
Wenn sich Ihr Klavier oder Flügel träge, ungleich oder anstrengend spielt, bringt eine professionelle Regulation oft sofort spürbar mehr Komfort: die Spielart wird leichter, gleichmäßiger und deutlich kontrollierbarer. Zusammen mit einer gezielten Intonation verbessert sich zusätzlich der Klang hörbar. In einer Flügelmechanik arbeiten je nach Bauart und Ausstattung grob 8.000 bis 9.000 Einzelteile. Schon kleinste Abweichungen im Zehntelmillimeterbereich entscheiden, ob das Instrument schnell und präzise reagiert oder ob es sich unruhig und schwer spielbar anfühlt.

Der Grund liegt in der Physik des Spiels. Durch tausendfache Schläge der Hammerköpfe auf die Metallsaiten verdichtet sich der Filz mit der Zeit, der Klang wird härter und oft brillanter bis metallischer. Bei höherer Luftfeuchtigkeit kann sich der Filz dagegen aufweichen, der Ton wird dumpfer und verliert an Dynamik. Da diese Veränderungen nicht überall gleichmäßig stattfinden, entsteht eine klangliche Unruhe innerhalb der Klaviatur. Regelmäßige Intonation gleicht diese Effekte aus und stellt einen homogenen, musikalischen Gesamtklang wieder her.

Regulierung bedeutet das Fein-Einstellen von Klaviatur und Mechanik, damit jede Taste den gleichen Weg, das gleiche Timing und die gleiche „Antwort“ hat. Ziel ist eine gleichmäßige Spielart: sauberer Druckpunkt, kontrollierte Repetition, präzise Auslösung, identisches Gefühl von Bass bis Diskant.
Die Mechanik ist das Herz der Spielart. Deshalb entscheidet ihre Präzision direkt darüber, wie leicht ein Pianist Dynamik und Artikulation umsetzen kann.
Im Herstellkontext spricht man von einer großen Zahl einzelner Korrekturen: In Produktionsbeschreibungen wird genannt, dass es mehr als 10 Regulierpunkte pro Taste gibt, bei 88 Tasten also „mehr als tausend“ einzelne Handgriffe. In der Praxis heißt das: Regulierung ist immer ein Paket aus vielen Parametern und nicht „eine einzige Einstellung“, weil Änderungen an einem Punkt fast immer Auswirkungen auf andere haben.

Das Ergebnis merkt man sofort: weniger Leerlauf in den Tasten, besseres Legato, saubere Triller, kontrolliertere Pianissimi, mehr Reserven im Fortissimo - und vor allem eine gleichmäßige Tastatur ohne „Überraschungstasten“.

Wie oft eine Regulierung sinnvoll ist, hängt von Spielintensität, Klima und Zustand des Instruments ab. Grundsätzlich benötigen sowohl Klaviere als auch Flügel eine regelmäßige Regulierung, und neue Instrumente brauchen sie oft schon im ersten Jahr, weil sich Filze und neue Bauteile setzen und verdichten. Als grober Orientierungswert kann man sich an gängigen Service-Empfehlungen aus der Praxis orientieren: Bei normaler Nutzung um etwa 1 Stunde pro Tag werden Regulierung und Voicing häufig als Arbeiten im Abstand von einigen Jahren gesehen, bei intensiver Nutzung von 3 bis 6 Stunden pro Tag entsprechend deutlich häufiger.

Der Begriff Intonation bezeichnet in der Klavierpraxis die gezielte Veränderung und Angleichung des Klangcharakters – also von Helligkeit, Tragfähigkeit und dynamischer Balance – durch die Arbeit an den Hammerköpfen. Beim Spielen verdichtet sich der Hammerfilz unterschiedlich und an der Anschlagstelle entstehen Rillen. Dadurch klingen manche Hämmer weicher und runder, andere härter und spitzer, oft deutlich metallischer. Intonation gleicht diese Unterschiede aus: Rillen werden abgezogen und der Filz so bearbeitet, dass die Hämmer wieder gleichmäßig ansprechen und der Klang über die gesamte Klaviatur zusammenpasst.


Regulierung von Klaviatur und Mechanik mit Fokus auf Gleichmäßigkeit, Kontrolle und Repetition.
Intonation der Hammerköpfe mit Fokus auf Klangfarbe, Balance und Dynamik, inklusive sinnvoller Vorbereitung der Hammeroberflächen.


Eine sinnvolle Empfehlung lässt sich oft direkt beim Stimmen mitbeurteilen. Dabei kann man den Ist-Zustand von Spielart und Klang schnell einschätzen und gemeinsam das Ziel festlegen, z.B. ein gleichmäßigeres Spielgefühl, bessere Kontrolle im Pianissimo oder eine rundere Klangbalance. Anschließend lässt sich der Aufwand realistisch einordnen und der Arbeitsumfang klar definieren.