
Bei einer Schellackpolitur wird in Alkohol gelöstes Harz mit einem Polierballen auf das Holz aufgetragen. Der Ballen verteilt jeweils eine kleine Menge auf der Fläche. Mit dem Verdunsten des Alkohols bleibt eine dünne Harzschicht zurück. Der Glanz entsteht durch den allmählichen Aufbau und das abschließende Auspolieren dieser Oberfläche.
Eine dick aufgetragene Schicht kann noch Lösungsmittel enthalten, obwohl sie oberflächlich bereits trocken wirkt. Werden mehrere solche Schichten rasch übereinandergelegt, können später Risse entstehen. Dünne Aufträge und ausreichende Trockenpausen gehören deshalb zusammen.
Auch während der Ballenarbeit spielt der Alkohol eine Rolle: Er kann bereits aufgetragenen Schellack wieder anlösen. Der Ballen wird daher nur dosiert befeuchtet und gleichmäßig über die Fläche geführt. Zu viel Flüssigkeit kann die noch empfindliche Politur wieder aufreißen. Mehr Druck gleicht einen zu nassen Ballen nicht aus.
Bei grobporigem Holz wird die Oberfläche vor dem weiteren Schichtaufbau gefüllt, beispielsweise mit feinem Bimsmehl und Schellack. So lassen sich die Vertiefungen schließen, ohne allein durch immer mehr Politur einen dicken Film aufzubauen. Die Vorbereitung entscheidet mit darüber, wie gleichmäßig die fertige Fläche das Licht reflektiert.
Wird gegen Ende der Arbeit etwas Polieröl als Gleithilfe verwendet, müssen seine Rückstände abschließend entfernt werden. Erst dann lässt sich der klare Glanz der Politur beurteilen. Zur Handpolitur mit Schellack am Klavier gehören somit mehrere getrennte Arbeitsgänge und Trockenphasen. Ihr Umfang richtet sich nach dem Zustand der Fläche und dem gewünschten Ergebnis.