
Der Stimmstock hält die Stimmwirbel des Klaviers fest. Die Saiten sind an diesen Metallstiften aufgewickelt; beim Stimmen verändert eine kleine Drehung ihre Spannung und damit die Tonhöhe. Damit die Einstellung erhalten bleibt, muss der Wirbel dem Saitenzug widerstehen. Gleichzeitig muss er sich mit dem Stimmhammer kontrolliert bewegen lassen. Fester Halt und fein dosierbare Bewegung gehören deshalb zusammen.
Den entscheidenden Sitz erhält der Wirbel im Holz. Die Passung zwischen seiner Oberfläche und der Bohrung erzeugt die nötige Reibung. Der massive, häufig mehrschichtig verleimte Stimmstock hat damit eine andere Aufgabe als der dünne Resonanzboden: Er soll die Wirbel halten, während der Resonanzboden die Schwingungen der Saiten über die Stege aufnimmt und als Schall abstrahlt.
Bei mehrschichtigen Stimmstöcken werden Holzlagen mit unterschiedlichen Faserrichtungen verbunden. So trifft ein Wirbel über seine Einbindetiefe auf verschieden orientierte Holzfasern. Das unterstützt einen gleichmäßigen Halt und eine kontrollierbare Bewegung beim Stimmen. Anzahl und Anordnung der Schichten sind konstruktionsabhängig; der innere Aufbau lässt sich aus einer Vorderansicht des Instruments nicht ablesen.
Ein Klavier kann sich verstimmen, obwohl seine Wirbel fest sitzen. Holz nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebung auf und gibt sie wieder ab. Dadurch verändern sich Maße und Form der Holzteile. Auch der Resonanzboden reagiert auf wechselnde Luftfeuchte. Verändert sich die Geometrie der Saitenanlage, kann sich die Saitenspannung ändern, ohne dass ein Wirbel im Stimmstock nachgegeben hat.
Für die Beurteilung werden deshalb die Tonhöhenänderung und das Verhalten der Wirbel getrennt betrachtet. Am Stimmhammer zeigt sich, wie sich ein Wirbel bewegen und in einer Stellung halten lässt. Ein glänzender Wirbelkopf, eine ordentliche Saitenwicklung oder eine gleichmäßige Reihe von Stiften sagt darüber wenig aus. Entscheidend ist die Verbindung im Holz und ihr Verhalten unter Belastung.
Wiederholtes Nachstimmen kann fehlenden Wirbelhalt nicht ersetzen. Ebenso wenig ist eine normale Verstimmung für sich genommen ein Grund, den Stimmstock zu erneuern. Die Unterscheidung verhindert, dass eine klimabedingte Veränderung mit einem strukturellen Schaden gleichgesetzt wird.
Bei einer Stimmstock-Reparatur wird der Zustand des Holzes zusammen mit dem Sitz der Wirbel beurteilt. Eine örtlich geschädigte Bohrung stellt eine andere Aufgabe als ein größerer Riss, gelöste Holzlagen oder ein insgesamt beschädigter Stimmstock. Davon hängt ab, ob ein begrenzter Bereich wiederhergestellt werden kann oder ein umfassenderer Eingriff nötig ist.
Wird ein Stimmstock erneuert, muss der Ersatz zur vorhandenen Konstruktion passen. Die Form des Bauteils, seine Befestigung und die Lage der Wirbelbohrungen sind aufeinander abzustimmen. Neue Wirbel allein ersetzen diese Holzarbeit nicht: Erst der passende Sitz im tragfähigen Stimmstock schafft die Voraussetzung dafür, dass sie sich präzise stimmen lassen und ihre Stellung unter Saitenzug halten.