
Saitenfilz und Flechtband dämpfen beim Klavier die Saitenabschnitte, die nicht frei mitklingen sollen. Auch hinter dem Steg läuft der Draht weiter bis zu seiner Befestigung am Gussrahmen. Diese kurze Strecke gehört nicht zur eigentlichen klingenden Länge, kann aber trotzdem in Schwingung geraten. Ein zwischen die Saiten geführtes Textilband begrenzt solche Nebenresonanzen. Der Saitenanhang des Stichel-Klaviers zeigt diese Anordnung.
Die klingende Länge liegt zwischen der oberen Saitenbegrenzung und dem Steg auf dem Resonanzboden. Dort wird die Saite vom Hammer angeregt. Jenseits des Steges bleibt sie gespannt und führt zur Anhängung. Die Anhängestifte tragen die Saitenschlaufen; sie sind keine Stimmwirbel und werden beim Stimmen nicht gedreht.
Eine gespannte Saite kann auch außerhalb ihrer klingenden Länge eigene Resonanzen entwickeln. Dazu braucht sie keinen unmittelbaren Hammerschlag: Die Schwingungsenergie kann über die verbundenen Bauteile weitergegeben werden. Ein solcher Abschnitt hat durch seine andere Länge andere Eigenfrequenzen. Sein Mitschwingen ist deshalb nicht automatisch eine musikalisch passende Ergänzung des gespielten Tons.
Das Band berührt die Saiten dauerhaft. Durch die Bewegung an den Kontaktstellen wird Schwingungsenergie im Textil abgebaut; der freie Nachklang der berührten Abschnitte nimmt ab. Die Flechtung schafft Kontakt zu den einzelnen Drähten und hält das Band in seiner Lage. Dafür muss das Material tatsächlich anliegen. Ein bloß dahinterliegender Streifen erfüllt diese Aufgabe nicht in gleicher Weise.
Unter dem Sammelbegriff Saitenfilz werden unterschiedliche textile Teile zusammengefasst. Ein gewebtes Flechtband zwischen den Drähten hat eine andere Form und Aufgabe als eine flächige Unterlage auf dem Rahmen. Breite, Dicke und Anordnung richten sich nach dem Einbauort. Aus der roten Farbe allein lässt sich weder die Faserart noch eine bestimmte Materialqualität ableiten.
Die beweglichen Dämpfer steuern das Ende des gespielten Tons. Beim Anschlag hebt der betreffende Dämpfer von der klingenden Saite ab; nach dem Loslassen der Taste legt er sich wieder an, sofern das rechte Pedal ihn nicht angehoben hält. Das Flechtband hinter dem Steg bleibt dagegen ständig an seinem Platz. Es folgt weder der Taste noch dem Pedal und soll die eigentliche klingende Saitenlänge nicht berühren.
Bei einer Neubesaitung gehört die Anordnung der Saitentextilien zur Vorbereitung des Austauschs der Klaviersaiten. Entscheidend sind die vorgesehenen Kontaktstellen und die freien Saitenwege. Ein breiterer Streifen oder zusätzliches Material ist nicht grundsätzlich eine Verbesserung: Gelangt es in einen klingenden Bereich, verändert es dessen Schwingung.
Es gibt auch Konstruktionen, bei denen kurze Saitenabschnitte außerhalb der Hauptlänge bewusst frei mitschwingen. Bei einer Duplexskala werden solche Abschnitte gezielt in die Klanggestaltung einbezogen. Sie pauschal mit Filz stillzulegen würde diese Funktion aufheben. Deshalb richtet sich die Dämpfung nach der Saitenkonstruktion des Instruments, nicht nach einer überall gleichen Verteilung roter Bänder.