
Ein Maskaron ist ein als Ornament gestaltetes Gesicht. Bei einer solchen Holzschnitzerei bestimmen schon kleine Höhenunterschiede den Ausdruck: die Wölbung der Wangen, der Verlauf der Brauen und die Einschnitte zwischen den Bartlocken. Der Maskaron aus Eichenholz am Klavier von Gebr. Rohlfing zeigt, wie eng die Wirkung des Gehäuses mit diesen feinen Formen verbunden ist. Bei der Restaurierung einer Schnitzerei geht es deshalb nicht allein um eine saubere oder glänzende Oberfläche, sondern auch um die Erhaltung ihres Reliefs.
Vorstehende Partien fangen das Licht ein, während Vertiefungen und Hinterschneidungen Schatten bilden. Eine Hinterschneidung reicht unter einen vorspringenden Teil des Ornaments; sie lässt etwa eine Locke stärker vom Hintergrund hervortreten. Wird dieser Zwischenraum mit Überzug oder Füllmaterial zugesetzt, verliert das Motiv an räumlicher Wirkung. Auch eine abgerundete Augenbraue oder ein abgeflachter Nasenrücken kann den Gesichtsausdruck verändern, obwohl insgesamt nur wenig Holz abgetragen wurde.
Zur Beurteilung wird die Schnitzerei aus mehreren Richtungen und bei seitlich einfallendem Licht betrachtet. So lassen sich eine tatsächlich fehlende Kante, eine helle Abriebstelle und ein lediglich verschatteter Bereich besser auseinanderhalten. Dunkle Vertiefungen sind nicht automatisch verschmutzt. Dort können sich ebenso erhaltene ältere Oberflächenschichten befinden. Eine gleichmäßig helle Holzfarbe ist daher kein sinnvoller Maßstab für den Reinigungsfortschritt.
Zunächst müssen lose Holzsplitter und abblätternde Überzüge erkannt werden. Über solche Stellen darf weder ein Tuch kräftig gezogen noch mit einer Bürste hinweggearbeitet werden. An einer festen, unbeschädigten Oberfläche lässt sich loser Staub mit einem weichen Pinsel aus den Vertiefungen lösen. Dessen Metallfassung darf die erhöhten Stellen nicht berühren. Harte Bürsten oder spitze Werkzeuge sind ungeeignet, um anhaftende Reste aus feinen Gesichtszügen herauszukratzen.
Festsitzende Ablagerungen verlangen eine auf den vorhandenen Überzug abgestimmte Reinigung. Ein Mittel, das auf einer benachbarten Fläche verträglich ist, kann an einer durchgeriebenen Stelle bereits in das Holz gelangen. Gerade in den engen Übergängen zwischen Nase, Mund und Bart ist die Bearbeitung deshalb kleinräumig zu kontrollieren. Pauschales Anschleifen erreicht zuerst die höchsten Punkte, während die Vertiefungen kaum berührt werden. Es verändert damit die Form, bevor die gesamte Oberfläche gleichmäßig bearbeitet ist. Reinigung und Holzabtrag sind unterschiedliche Arbeitsschritte und dürfen nicht miteinander verwechselt werden.
Fehlt ein Teil der Schnitzerei, dient der erhaltene Bestand als Vorlage. Ein wiederkehrendes Ornament am selben Instrument kann Auskunft über den Verlauf einer Locke oder die Breite eines Blattes geben. Eine Aufnahme von vorn zeigt jedoch weder die Tiefe noch alle seitlichen Übergänge. Für eine passende Ergänzung werden daher auch Seitenansichten, Anschlüsse und die räumliche Form berücksichtigt. Kleine Unterschiede zwischen handbearbeiteten Gegenstücken bleiben dabei erhalten; eine vollständige geometrische Symmetrie ist nicht automatisch das ursprüngliche Erscheinungsbild.
Vorhandene abgebrochene Fragmente werden auf ihre Zuordnung und Passung geprüft. Wo eine Ergänzung nötig ist, richtet sich ihr Material nach Größe, Beanspruchung und Zustand der angrenzenden Schnitzerei. Bei einer Holzergänzung spielen Holzart und Faserrichtung mit hinein: Eine dünne Spitze quer zur Faser bricht leichter ab als ein entsprechend längs orientiertes Stück. Die Ergänzung wird an die erhaltene Form angepasst, ohne intakte Gesichtszüge für einen bequemeren Anschluss zurückzuschneiden. Solche Arbeiten sind Teil der Restaurierung des Klaviergehäuses.
Bei der abschließenden farblichen Anpassung werden Ergänzung und Umgebung im Zusammenhang betrachtet. Der Farbton allein genügt nicht: Eine glänzende neue Stelle fällt zwischen matteren Partien ebenso auf wie eine zu helle Stelle im dunklen Holz. Gleichzeitig müssen die schmalen Einschnitte offen bleiben. Deshalb wird die Wirkung des Überzugs auch im Streiflicht geprüft, damit sich in den Tiefen keine Ansammlungen bilden und die modellierten Gesichtszüge lesbar bleiben.