
Wenn das Klavier in der Weihnachtszeit häufiger gespielt wird, läuft meist auch die Heizung täglich. Für ein Instrument wie dieses Gebr. Rohlfing ist dabei vor allem ein gleichmäßiges Raumklima wichtig. Die Holzbauteile reagieren auf ihre Umgebung, auch wenn das Klavier gerade nicht benutzt wird. Winterpflege beginnt deshalb am Aufstellort und bei der Luftfeuchtigkeit.
Wird kalte Außenluft im Zimmer erwärmt, sinkt ihre relative Luftfeuchtigkeit, sofern kein Wasser hinzukommt. Deshalb kann ein beheizter Raum zu trocken für das Klavier sein, obwohl draußen feuchtes Wetter herrscht. Das Holz gibt dann Feuchtigkeit ab und schwindet. Bei feuchterer Luft nimmt es wieder Feuchtigkeit auf und quillt. Diese Bewegung betrifft nicht nur das sichtbare Gehäuse, sondern auch Bauteile im Inneren.
Am Resonanzboden können sich dadurch Wölbung und Saitenspannung verändern. Das Klavier verstimmt sich, ohne dass ein Stimmwirbel locker geworden sein muss. Auch die Passungen in Tastatur und Mechanik reagieren auf das Klima. Ein verändertes Spielgefühl oder eine klemmende Taste sollte deshalb zusammen mit den Raumbedingungen beurteilt werden. Eine Verstimmung nach Beginn der Heizperiode allein beweist noch keinen Schaden am Instrument.
Als Orientierung für den Wohnraum eignet sich eine relative Luftfeuchtigkeit von etwa 40 bis 60 Prozent. Das ist kein Bereich, den man täglich von einem Ende zum anderen ausnutzen sollte. Möglichst geringe Schwankungen sind günstiger als ein ständiger Wechsel zwischen trocken und feucht. Eine einzelne Messung sagt wenig darüber aus, welchen Bedingungen das Klavier über Tage und Nächte ausgesetzt ist.
Ein Hygrometer gehört in die Nähe des Instruments, außerhalb direkter Heizluft, Sonnenbestrahlung oder des Luftstroms eines Befeuchters. Eine Messung auf dem Heizkörper oder unmittelbar am geöffneten Fenster beschreibt eine lokale Extremsituation. Sinnvoll ist es, Temperatur und Luftfeuchtigkeit über mehrere Tage zu beobachten. Geräte mit einer Anzeige der niedrigsten und höchsten Werte machen Schwankungen sichtbar, die bei einem kurzen Blick am Nachmittag unbemerkt bleiben.
Für den Winterstandort sind drei Punkte besonders hilfreich:
Bleibt die Raumluft über längere Zeit zu trocken, kann ein passend bemessener Luftbefeuchter helfen. Er wird so aufgestellt, dass kein feuchter Luftstrom direkt auf das Klavier gerichtet ist. Betrieb, Reinigung und Wasserwechsel müssen zum Gerät passen. Das Ziel ist eine allmähliche Stabilisierung; starke Befeuchtung unmittelbar vor dem nächsten Spieltermin gleicht eine längere Trockenphase nicht verlässlich aus.
Lässt sich das Raumklima nicht ausreichend stabil halten, kommt auch eine auf das Instrument abgestimmte Feuchteregulierung infrage. Sie wird fachgerecht im Klavier oder am Flügel installiert und muss anschließend gewartet werden. Informationen zum Einbau von Klimakontrollsystemen stehen auf unserer Seite zur Zusatzausstattung. Ein solches System macht einen ungünstigen Standort unmittelbar an einer Wärmequelle nicht unproblematisch.
Für die Klavierstimmung in Berlin sollte der Raum möglichst die Temperatur und Luftfeuchte haben, unter denen das Instrument anschließend genutzt wird. Vor einem Termin eigens stark zu heizen oder zu befeuchten schafft andere Bedingungen als im Alltag. Wenn sich das Raumklima gerade grundlegend geändert hat, etwa nach dem Einschalten der Heizung oder einem Umzug, hilft ein kurzer Verlauf der Messwerte bei der Terminplanung.
Die Stimmung korrigiert die Tonhöhen, stabilisiert aber nicht die Raumluft. Bleibt eine Taste hängen oder fällt ein neues Geräusch auf, gehört dieser Befund zusätzlich zur technischen Prüfung. Bei einem Instrument, das aus kalter Lagerung oder nach einem Wintertransport kommt, muss zunächst eine behutsame Akklimatisierung möglich sein; direktes Aufwärmen an einer Heizung ist dafür ungeeignet.