
Beim Restaurieren von Holzprofilen am Klavier ist eine glatte Oberfläche nur ein Teil der Aufgabe. Ebenso wichtig ist der Querschnitt der Leisten: Eine schmale Stufe, eine Kehle oder ein gerundeter Wulst geben dem Gehäuse seine Form. Wird beim Bearbeiten zu viel Holz abgenommen, verändert sich diese Form dauerhaft. Eine spätere Politur bringt verlorene Kanten nicht zurück.
Am gezeigten Klavier von Gebr. Rohlfing treffen profilierte Eichenleisten, geschnitzte Ornamente und feine goldfarbene Verzierungen aufeinander. Für solche Flächen müssen die einzelnen Bereiche getrennt behandelt werden. Eine Methode, die auf einem breiten, ebenen Abschnitt funktioniert, kann an einem schmalen Vorsprung bereits zu viel Material abtragen.
Schmutz, eine gealterte Beschichtung und beschädigtes Holz verlangen unterschiedliche Maßnahmen. Eine matte Stelle bedeutet nicht automatisch, dass bis auf das rohe Holz geschliffen werden muss. Ist der vorhandene Überzug noch tragfähig, kann eine begrenzte Reinigung ausreichen. Alte Oberflächen bewahren außerdem Spuren früherer Bearbeitung und Nutzung, die mit einer vollständigen Abnahme verloren gehen.
Eine kleine Probe an unauffälliger Stelle zeigt, wie die Beschichtung auf das vorgesehene Reinigungsmittel reagiert. Dabei zählt auch der Zustand nach dem Trocknen: Eine zunächst unauffällige Stelle kann später trüb erscheinen. Gerade an bereits ausgebesserten Flächen können benachbarte Bereiche unterschiedlich reagieren. Feine Verzierungen werden in diese Prüfung einbezogen; ihre Farbe und Haftung dürfen durch die Behandlung des umgebenden Holzes nicht beeinträchtigt werden.
Wo ein Abtrag erforderlich ist, muss die Auflagefläche des Werkzeugs zur Form passen. Ein ebener Schleifklotz unterstützt eine gerade Fläche. In einer Kehle, also einer nach innen gewölbten Rinne, braucht es eine entsprechend angepasste Auflage. So wird der betreffende Abschnitt bearbeitet, ohne gleichzeitig die benachbarten Kanten zu verrunden. Für begrenzte Arbeiten an geformten Leisten können auch passend profilierte Schabwerkzeuge eingesetzt werden.
Vorspringende Stellen sind besonders empfindlich: Dort konzentriert sich die Belastung auf eine kleine Fläche. Unkontrolliertes Schleifen kann eine schmale Stufe verbreitern oder einen Wulst abflachen. Die einzelnen Profilabschnitte werden deshalb gezielt bearbeitet, statt mit einem großen Werkzeug über die gesamte Form zu fahren. Beim Schleifen des Holzes folgt die Bewegung möglichst der Faserrichtung; die Kontur wird zwischendurch kontrolliert.
Eine ausgebrochene Ecke lässt sich nicht sinnvoll beseitigen, indem man das umliegende Profil bis zur Tiefe des Schadens abschleift. Damit würde aus einer örtlichen Fehlstelle eine Veränderung der ganzen Leiste. Bei der Reparatur des Klaviergehäuses können beschädigte Bereiche stattdessen gezielt ergänzt und an die erhaltene Form angepasst werden. Lose Verbindungen müssen vor der Oberflächenbearbeitung wieder stabil sein.
Als Vorlage für eine Ergänzung dient ein unbeschädigter Abschnitt desselben Profils. Entscheidend sind die Breite der Stufen, die Tiefe der Kehlen und der Verlauf der Übergänge. Seitlich einfallendes Licht macht dabei ungewollte Wellen und abgeflachte Stellen sichtbar. Eine passende Farbgebung kann den Übergang optisch beruhigen; eine falsche Kontur bleibt jedoch im Schattenverlauf erkennbar.