
Bei der Restaurierung eines Klaviergehäuses aus Eiche gehört das Porenbild zur Gestaltung der Oberfläche. Eine deutlich erkennbare Holzstruktur ist nicht automatisch ein Zeichen für raues Schleifen oder eine beschädigte Beschichtung. Auch eine glänzende Fläche kann feine Vertiefungen zeigen. Glanz und eine vollständig geschlossene Oberfläche sind zwei verschiedene Eigenschaften.
Die im europäischen Möbelbau üblichen Eichen gehören zu den ringporigen Hölzern. Im Frühholz entstehen größere Gefäße als im später gebildeten Holz desselben Jahresrings. Diese Gefäße dienten im lebenden Baum dem Wassertransport. Im Querschnitt erscheinen ihre Öffnungen als Poren; längs angeschnitten werden sie als feine Rinnen sichtbar. Das charakteristische Bild entsteht deshalb aus dem Aufbau des Holzes und nicht erst durch die Oberflächenbehandlung.
An einem geschnitzten oder profilierten Klavierbein treffen unterschiedliche Schnittrichtungen aufeinander. Eine Wölbung zeigt die Holzstruktur anders als eine gerade Seitenfläche, obwohl beide zum selben Bauteil gehören. Die Porenzeichnung muss dort nicht überall gleich aussehen. Bei der Beurteilung einer Oberfläche zählt daher, ob eine Vertiefung zur natürlichen Struktur gehört oder ob tatsächlich Holz beziehungsweise Beschichtung beschädigt ist.
Vor einer neuen Oberflächenbehandlung wird festgelegt, wie deutlich das Porenrelief erhalten bleiben soll. Eine strukturierte Oberfläche lässt die Eigenart der Eiche sichtbar. Für eine weitgehend ebene, geschlossen wirkende Fläche müssen die Vertiefungen dagegen gezielt gefüllt werden. Eine solche Entscheidung betrifft den Charakter des ganzen Gehäuses; sie ist keine bloße Wahl zwischen matt und glänzend.
Ein Porenfüller bringt fein verteiltes Füllmaterial in die kleinen Hohlräume. Er bereitet die Fläche auf den folgenden Überzug vor und vermindert dessen Einsinken in die Poren. Überschüssiges Material auf den dazwischenliegenden Holzflächen wird wieder abgenommen. Es soll keine unnötige deckende Schicht über der gesamten Zeichnung entstehen. Verarbeitung, Trocknung und der anschließende Aufbau müssen zum gewählten Materialsystem passen.
Auch die Farbe der Füllung beeinflusst das Ergebnis. Eine dunklere Füllung kann das Porenbild hervorheben, eine zum Holzton passende wirkt zurückhaltender. Deshalb wird die Kombination aus Holz, Füllung und vorgesehenem Überzug auf einer Probe beurteilt. Die Farbe des Füllers allein zeigt noch nicht, wie die fertige Fläche wirken wird.
Das Füllen natürlicher Poren ist eine andere Aufgabe als die Reparatur einer ausgebrochenen Stelle oder einer gelösten Verbindung. Bei der Instandsetzung des Klaviergehäuses werden solche Schäden zuerst behandelt. Erst danach lässt sich die Oberfläche zusammenhängend aufbauen.
Eine örtliche Ergänzung muss neben Form und Farbe auch zur Struktur ihrer Umgebung passen. Ein völlig glatter Fleck fällt in einer deutlich porigen Eichenfläche selbst dann auf, wenn sein Braunton stimmt. Umgekehrt bleibt eine grobporige Ergänzung in einer geschlossen ausgeführten Fläche erkennbar. Für ein ruhiges Gesamtbild werden deshalb Farbton, Porenbild und Glanzgrad gemeinsam abgestimmt.